Neue Beweise stellen Theorie des ruhenden Planeten in Frage
Wissenschaftler der ETH Zürich haben Hinweise gefunden, dass die Venus sich möglicherweise noch von innen heraus auseinanderreißt. Die am 24. Juli in Nature Geoscience veröffentlichte Studie nutzte erstmals hochauflösende 3D-Computersimulationen venusianischer Grabenbrüche, um zu zeigen, dass einige dieser riesigen Strukturen erst vor relativ kurzer Zeit entstanden sind und sich heute noch ausdehnen könnten. Die Ergebnisse stellen die lang gehegte Annahme in Frage, der Schwesterplanet der Erde sei geologisch inaktiv.
Grabenbrüche breiten sich mit überraschender Geschwindigkeit aus
Die Simulationen unter der Leitung von Professor Taras Gerya und Masterstudent Xi Yang deuten darauf hin, dass sich die Risse auf der Venus mit einer Rate von 3 bis 10 Zentimetern pro Jahr ausbreiten könnten – schneller als bisher angenommen. Die Modelle zeigen, dass sich entlang junger Risse breite, erhobene Rücken, sogenannte Riftflanken, bilden, die sich dann abflachen, wenn die Kruste entspannt. Diese Merkmale stimmen mit Bildern überein, die in den 1990er Jahren von der NASA-Sonde Magellan aufgenommen wurden, und stützen die Theorie, dass einige Risse noch aktiv sind.
Auswirkungen auf zukünftige Missionen
Die Forschung könnte helfen, Gebiete aktueller geologischer Aktivität für bevorstehende NASA- und ESA-Missionen zu identifizieren. ETH-Wissenschaftler entwickeln Instrumente für den ESA-Orbiter EnVision, der Anfang der 2030er Jahre starten soll und den Planeten vom Kern bis zur oberen Atmosphäre untersuchen wird. Die Ergebnisse verbessern auch das Verständnis der Entwicklung felsiger Planeten und könnten die Untersuchung von Exoplaneten jenseits des Sonnensystems unterstützen.