Wie sich die Flut ereignete
Schwere Monsunregen lösten eine plötzliche Flutwelle aus, die durch Flusstäler nahe der nepalesisch-tibetischen Grenze raste. Wissenschaftler vermuten, dass ein Gletscherkollaps die Sturzflut verstärkte und Geröll und Wasser mindestens 100 Kilometer flussabwärts spülte. Ganze Dörfer wurden innerhalb von Minuten weggerissen, viele Bewohner hatten keine Zeit, höher gelegenes Gelände zu erreichen. Besonders betroffen sind abgelegene Distrikte mit schmalen Straßen und wenigen Brücken.
Die Behörden bestätigen mindestens 540 Todesopfer und warnen, dass die Zahl steigen könnte. Hunderte Menschen werden noch vermisst, darunter Trekker, Bauern und Familien, die an den Flussufern lebten. In mehreren Tälern sind die Kommunikationsleitungen noch immer unterbrochen, was die Erfassung des vollen Schadensausmaßes erschwert.
Rettungsbemühungen und eingeschlossene Arbeiter
Rettungsteams arbeiten rund um die Uhr. Hubschrauber fliegen Überlebende von Dächern und Hügeln, während Bodentrupps sich durch Schlamm und Geröll graben. Eine der dringlichsten Operationen findet an einem Wasserkraftwerkstunnel statt, in dem Hunderte Arbeiter vermutet werden. Nepal kündigte an, die Bemühungen zu intensivieren, aber schweres Gerät kämpft mit durch Erdrutsche blockierten Straßen.
Internationale Hilfsorganisationen, darunter die World Central Kitchen, haben begonnen, Lebensmittel und Wasser an vertriebene Familien zu liefern. Krankenhäuser in nahegelegenen Städten behandeln Verletzte, viele Überlebende schlafen in provisorischen Unterkünften.
Fragen zu Wasserkraftprojekten
Die Katastrophe hat die Debatte über Nepals Vorstoß zum Bau von Wasserkraftdämmen in fragilen Bergtälern neu entfacht. Das Land sieht saubere Energie als Weg zum Wachstum, doch Kritiker warnen vor ernsten Risiken in einer Region, die bereits anfällig für Erdrutsche und Überschwemmungen ist. Der Verlust von Stromerzeugungskapazität durch beschädigte Anlagen hat auch Bedenken hinsichtlich der Energieversorgung geweckt. Der Fokus liegt derzeit auf der Suche nach Überlebenden, aber die Flut wird wahrscheinlich die Planung der Berginfrastruktur Nepals neu gestalten.