Welt

Israels Wahl endet ohne Sieger – Prognosen deuten auf Patt

6 Ansichten

Kein Block erreicht die Schwelle

Israels Wahl endete am Dienstag ohne erklärten Sieger. Prognosen der wichtigsten Fernsehsender des Landes ergaben, dass weder der rechts-religiöse Block von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch das Bündnis des früheren Generalstabschefs Gadi Eisenkot die 61 Sitze erreichten, die für eine Mehrheit in der 120 Sitze umfassenden Knesset nötig sind. Eisenkots Lager lag in mehreren Erhebungen leicht vorn – ein Ergebnis, das monatelange Umfragen umkehrt, in denen Netanjahu mit größerem Abstand zurückgelegen hatte.

In der israelischen Geschichte hat noch nie eine einzelne Partei eine absolute Mehrheit gewonnen, daher entscheidet in jeder Regierungsbildung die Koalitionsarithmetik. Diesmal ist die Rechnung so knapp, dass kleine Fraktionen, darunter arabisch geführte Parteien, das Zünglein an der Waage sein könnten.

Hohe Wahlbeteiligung

Bis 20 Uhr hatten nach Angaben des Zentralen Wahlkomitees mehr als 74 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – der höchste Wert zu dieser Stunde seit Jahrzehnten und acht Prozentpunkte mehr als bei der Wahl 2022. Zehntausende im Ausland lebende Israelis sollen zur Stimmabgabe heimgeflogen sein. Netanjahus Likud-Partei bat die Wahlkommission, die Abstimmung über 22 Uhr hinaus zu verlängern; die Kommission lehnte ab und erklärte, dafür gebe es keine Rechtfertigung. Eisenkot hatte sich gegen eine Verlängerung ausgesprochen und seine Anhänger aufgefordert, das zu ignorieren, was er als Angstmache bezeichnete.

Der Wahlkampf drehte sich um Sicherheit, die Wehrpflicht ultraorthodoxer Männer und die Lebenshaltungskosten, und er geriet zum Referendum über Netanjahus nahezu ununterbrochene 17 Jahre an der Macht. Seine Gegner verweisen auf seinen Korruptionsprozess, die Dauer des Gaza-Kriegs und die Geiselkrise sowie auf das, was sie als Druck auf die Justiz beschreiben. Seine Verbündeten argumentieren, nur er könne die Koalition zusammenhalten.

Wochen des Feilschens stehen bevor

Offizielle Ergebnisse müssen erst am 4. November veröffentlicht werden. Danach hat Präsident Isaac Herzog eine Woche Zeit, die Parteiführer zu konsultieren und den Abgeordneten zu benennen, der am ehesten eine Koalition bilden kann. Dieser Prozess kann sich über Wochen ziehen, und eine zweite Wahl ist möglich, wenn keine Regierung gebildet werden kann.

Prognosen sind mit echten Fehlern behaftet, und erste Auszählungen wurden im Laufe der Nacht erwartet. Beide Lager signalisierten, sie würden die offizielle Auszählung abwarten, bevor sie den Anspruch auf die Regierungsführung erheben.

Quelle: AP / Politico