Astronomen haben mit dem James-Webb-Weltraumteleskop in die Atmosphäre eines Jupiter-großen Planeten geblickt, der einen toten Weißen Zwergstern umkreist – nach Angaben der Forscher eine Vorschau auf die ferne Zukunft unseres eigenen Sonnensystems. Die Ergebnisse wurden am Montag von einem Team unter der Leitung von Dr. Ryan MacDonald von der University of Michigan veröffentlicht.
Ein Planet, der den Tod seines Sterns überlebte
Der Exoplanet mit der Bezeichnung WD 1856b wurde 2020 mit den Teleskopen TESS und Spitzer der NASA entdeckt. Er befindet sich 80 Lichtjahre entfernt im Sternbild Drache und umkreist WD 1856+534, einen etwa 10 Milliarden Jahre alten Weißen Zwerg. Bemerkenswerterweise umkreist der Gasriese seinen Stern in einer 50-mal geringeren Entfernung als die Erde von der Sonne, da er irgendwie die gewaltsame Roten-Riesen-Phase überlebt hat, die innere Planeten verschlungen hätte.
Was die Atmosphäre verrät
Webbs spektroskopische Analyse detektierte Aerosole und Kohlenwasserstoffe in der Planetenatmosphäre sowie chemische Signaturen, die Aufschluss darüber geben, wie ein Riesenplanet die Todeszuckungen seines Muttersterns überstehen und nach innen wandern konnte. Der Planet ist etwa so groß wie Jupiter, während der Weiße Zwerg erdgroß ist; der Planet ist damit siebenmal größer als sein Stern.
Vorhersage für das Sonnensystem
Die Ergebnisse dienen als natürliches Labor, um zu verstehen, was mit Jupiter und Saturn passieren wird, wenn die Sonne in etwa 5 Milliarden Jahren ihren nuklearen Brennstoff erschöpft. Das Überleben und die enge Umlaufbahn von WD 1856b deuten darauf hin, dass Gasriesen ihre Sterne überleben und in engen Umlaufbahnen um die Sternenüberreste enden können, was Hinweise auf die Entwicklung von Planetensystemen über astronomische Zeiträume hinweg liefert.