Wie unterscheidet sich ein seismisches Doublet vom Hauptbeben-Nachbeben-Muster?
Die beiden schweren Erdbeben, die Venezuela am 24. Juni innerhalb von Sekunden erschütterten, sind das, was Seismologen ein Doublet nennen – zwei Erdbeben ähnlicher Stärke, die zeitlich und räumlich nahe beieinander auftreten. Anders als das typische Muster eines Hauptbebens mit kleineren Nachbeben handelt es sich um separate Brüche auf verbundenen Verwerfungssegmenten. Das erste Beben der Stärke 7,2 könnte das zweite der Stärke 7,5 durch Spannungsübertragung ausgelöst haben.
Verwerfungssystem ähnlich der San-Andreas-Verwerfung
Geophysiker des US Geological Survey bestätigten, dass die Beben am Oca-Alcón/El-Pilar-Verwerfungssystem stattfanden, einer Blattverschiebungsgrenze, an der die karibische und die südamerikanische Platte aneinander vorbeigleiten. Die Verwerfungsstruktur ist mechanisch ähnlich wie die San-Andreas-Verwerfung in Kalifornien. Beide Beben ereigneten sich in geringer Tiefe von zehn Kilometern, was die Bodenerschütterungen verstärkte und zum weitverbreiteten Einsturz nicht verstärkter Mauerwerksgebäude beitrug.
Weitere seismische Aktivität möglich
Wissenschaftler warnen, dass die komplexen Verwerfungsinteraktionen in Nordvenezuela ein erhöhtes seismisches Risiko für die Region bedeuten. Ein früheres Doublet der Stärke 6,2 und 6,3 erschütterte im September 2025 westlich von Caracas und forderte ein Todesopfer. Die jüngsten Ereignisse offenbaren Lücken in den Bauvorschriften für ältere Gebäude in Caracas, die oft aus Ziegeln und Lehm ohne Erdbebenverstärkung bestehen.