Astronomen haben einen Stern gefunden, der näher am Schwarzen Loch im Zentrum unserer Galaxie vorbeizieht als jeder zuvor bekannte Stern. Die Entdeckung könnte endlich enthüllen, wie schnell sich dieses Schwarze Loch dreht.
Der Stern namens S301 wurde mit dem GRAVITY-Instrument am Very Large Telescope Interferometer in Chile verfolgt. Eine Bildersequenz zeigt mehrere Sterne, die Sagittarius A*, das supermassereiche Schwarze Loch im Herzen der Milchstraße, umkreisen.
Ein Stern auf extremer Bahn
S301 umkreist das Schwarze Loch nicht nur. Es streift es. Die größte Annäherung des Sterns ist enger als die jedes anderen bekannten Sterns und bringt ihn tief in die Region, wo Gravitation Licht biegt und Zeit verzerrt.
Diese extreme Umlaufbahn macht S301 zu einer natürlichen Sonde. Wenn der Stern am Schwarzen Loch vorbeischwingt, trägt seine Bewegung Informationen über die Rotation des Schwarzen Lochs. Der Effekt ist klein, aber GRAVITY kann ihn messen.
Warum Rotation wichtig ist
Die Rotation eines Schwarzen Lochs ist eine seiner grundlegendsten Eigenschaften. Sie zeichnet auf, wie das Schwarze Loch wuchs, ob es Sterne ganz verschlang und wie es sich über Milliarden von Jahren mit anderen Schwarzen Löchern vereinigte.
Aber die Rotation ist verborgen geblieben. Die meisten Schwarzen Löcher sind zu weit entfernt und am Himmel zu klein, um sie zu messen. Sagittarius A* ist das beste Ziel, das wir haben, und S301 gibt Astronomen endlich das Werkzeug, das sie brauchten.
Die Rotation von Sagittarius A* könnte uns auch etwas über die Geschichte der Milchstraße selbst sagen. Eine schnelle Rotation deutet darauf hin, dass die Galaxie vor langer Zeit mit einer anderen Galaxie verschmolz. Eine langsame Rotation weist auf eine ruhigere Vergangenheit hin.
Was als Nächstes kommt
Das Team plant, S301 in den kommenden Jahren durch mehr seiner Umlaufbahn zu verfolgen. Jeder Durchgang wird Daten hinzufügen und die Messung verfeinern.
Andere Instrumente beteiligen sich an der Jagd. Das kommende Extremely Large Telescope, ebenfalls in Chile, wird Astronomen einen noch schärferen Blick auf das galaktische Zentrum ermöglichen.
Vorerst ist S301 eine Erinnerung daran, dass die größten Entdeckungen oft mit einem einzelnen Stern beginnen, der etwas tut, was kein Stern zuvor getan hat.